Kunsthalle Archives - Ruhrgebiet aktuell

Kunstausstellung Rosemarie Koczÿ

Posted by on August 27th, 2017  •  0 Comments  • 

Ausstellung – Rosemarie Koczÿ

Vom 27. August bis zum 19. November 2017 zeigt die Kunsthalle Recklinghausen mehr als 100 Werke der aus Recklinghausen stammenden Künstlerin Rosemarie Inge Koczÿ.

Im Zentrum der Ausstellung stehen Tuschzeichnungen aus dem Zyklus „Ich webe Euch ein Leichentuch“, mit dem die Künstlerin an die Opfer der Shoah erinnert; darüber hinaus Gemälde und Skulpturen, die allesamt als großzügige Schenkung aus dem Vermächtnis der Künstlerin in die Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen gelangen werden.

Geboren am 5. März 1939 in Recklinghausen, wird die aus einer jüdischen Familie stammende Rosemarie Koczÿ 1942 zunächst nach Traunstein, in ein Außenlager des KZs Dachau und später in das Konzentrationslager Ottenhausen-Saarbrücken deportiert. Sie überlebt durch die Hilfe von Mitgefangenen, verbleibt aber trotz Kriegsende und Befreiung noch bis 1951 in einem Lager für „Displaced Persons“. Als ihre Großeltern sie nach langer Suche ausfindig machen, kehrt sie noch einmal
nach Recklinghausen zurück, wächst aber schließlich in einem katholischen Waisenhaus nahe Münster auf, da ihre durch Krieg und Verfolgung traumatisierte Mutter mit der Erziehung des
Kindes überfordert ist.

1959 geht sie in die Schweiz und bewirbt sich zwei Jahre später erfolgreich an der École des Arts Décorafis in Genf. Nach Abschluss ihres Studiums entwirft sie vor allem Tapisserien und es entstehen mehr als siebzig, teilweise großformatige Wandbehänge, zunächst klassisch flach gewebt, später materialhaft aufgeworfen und plastisch gestaltet. 1972 lernt sie Peggy Guggenheim kennen, die eine Tapisserie für ihren Venezianischen Palazzo Venier dei Leoni, die heutige Peggy Guggenheim Collection, in Auftrag gibt, sie vor allem aber mit ihrem späteren Mentor Thomas Messer, dem Direktor des Solomon R. Guggenheim Museums in New York, bekannt macht. Beide ermutigen Rosemarie Koczÿ, nach New York zu ziehen, um im damaligen „Hotspot“ der Kunstszene ihre Arbeit weiterzuentwickeln.

Mitte der 1970er Jahre rücken schließlich die Aufarbeitung ihrer Kindheitserlebnisse und der Holocaust ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Bis zu ihrem Tod entstehen mehr als 12.000 Tuschzeichnungen, mit denen die Künstlerin der Opfer der Shoa gedenkt und die sie rückseitig stets mit demselben Text versieht: „Ich webe Euch ein Leichentuch“. So zollt sie den Toten Respekt: „Das Leichentuch ist das Strichgewebe, das jede meiner Gestalten umgibt, um sie in Würde zu beerdigen.“
Der gestischen Intensität vieler Zeichnungen stehen Blätter von einer geradezu immateriellen Flüchtigkeit und Transparenz der Linie gegenüber: Ein „seidener Faden“, an dem das Leben hängt und doch stark genug, Hoffnung zu geben. 1984 heiratet sie in zweiter Ehe den amerikanischen
Komponisten Louis Pelosi, den sie als Stipendiatin der MacDowell Künstlerkolonie kennenlernt und zieht mit ihm im selben Jahr nach Croton-on-Hudson nahe New York. Hier laden beide regelmäßig zu Kunst- und Musikveranstaltungen ein, fördern vor allem aber junge Künstlerinnen und Künstler. Als Rosemarie Koczÿ im Dezember 2007 stirbt, hinterlässt sie ein ebenso umfangreiches wie eindringliches OEuvre, das überzeugend die Möglichkeiten der bildenden Kunst im „Angesicht der Shoah“ begreifen lässt.

Koczÿs Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz, den USA, Japan und Israel gezeigt. Sie sind u. a. in der Sammlung des Solomon R. Guggenheim Museums, New York vertreten, in der Peggy Guggenheim Collection, Venedig oder in der Collection de l’Art Brut, Lausanne. Aber auch die Gedenkstätten Buchenwald und Yad Vashem, Jerusalem besitzen Arbeiten der Künstlerin.

 

 

Öffnungszeiten Kunsthalle Recklinghausen Rosemarie Koczÿ:

27. August bis 19. November 2017
dienstags bis sonntags sowie feiertags 11 bis 18 Uhr

montags geschlossen

Öffentliche Führungen sonntags um 11 Uhr

 

Eintrittspreise

normal: 5,- € | ermäßigt: 2,50 € | Gruppen: je 2,50 €
samstags: pay-what-you-want
Quelle: Kunsthalle Recklinghausen

Bildunterschrift: Rosemarie I. Koczÿ, April 2006, Tusche auf Papier, 35,6 x 27,4 cm


Sommerfest der Kunsthalle Recklinghausen

Posted by on August 13th, 2017  •  0 Comments  • 

Sommerfest der Kunsthalle Recklinghausen

Die Kunsthalle präsentiert sich sommerlich und künstlerisch – und veranstaltet ein großes Sommerfest am Sonntag, 13. August, von 11 bis 20 Uhr.

Frei nach dem Motto „Sehen und Entdecken, Hören und Stauen, Zusammentreffen und Plaudern“ können die Besucher im Kunstbunker an der Große-Perdekamp-Straße bei freiem Eintritt eine bunte Mischung aus Musik, Lesungen, Rundgängen und Kinderprogramm erleben. Dabei besteht auch die Möglichkeit, einen letzten Blick auf die Kunstausstellung „Auf dem Weg zur Avantgarde“ des JUNGEN WESTENS werfen.

„Die Kunsthalle hat zum Abschluss der tollen Ausstellung ein buntes und künstlerisches Programm auf die Beine gestellt“, sagt Bürgermeister Christoph Tesche. „Für jeden ist etwas dabei und es bietet sich die Gelegenheit, zusammen zu kommen und sich auszutauschen.“

Der Tag beginnt um 11 Uhr mit einer Führung. Kunsthistoriker Eric Blanke stellt in einem Rundgang die Künstler des JUNGEN WESTENS und ihre Werke vor und gibt Einblicke in die spannende Zeit des neu erstarkenden Kunstlebens nach 1947 in Recklinghausen. Mit Martha & the Headliners steht um 12 Uhr Musik auf dem Programm. Marlene Meldrum-Hunt (Gesang) und Stefan Werni (Kontrabass) bringen Modern Jazz zu Gehör. Anschließend heißt es um 13.30 Uhr „Kreislers ‚böse’ Lieder“, wenn Ralf Rieder (Vortrag und Gesang) und Jacek Stam (Piano) Lieder des Kabarettisten und Satirikers Georg Kreisler interpretieren.

 

Kinderprogramm beim Sommerfest Recklinghausen

Um 14.30 Uhr startet das Kinderprogramm mit dem Trickfilm „Der JUNGE WESTEN in bewegten Bildern“, den Jugendliche in einem Workshop in der Kunsthalle Recklinghausen in stop-motion-Technik erstellt haben. Beim Mitmach-Theater schlüpfen ab 15 Uhr junge Besucher ab acht Jahren unter Leitung von Ralf Rieder in verschiedene Rollen und inszenieren gemeinsam ein märchenhaftes Theaterstück. Es wird geschminkt, verkleidet, ausprobiert und inszeniert. Zudem können Kinder und Jugendliche aller Altersgruppen zwischen 15 und 18 Uhr im Kunstlabor mit SARIDI. kreativ werden und mit verschiedenen Materialien und Techniken ihr eigenes Kunstwerk gestalten.

 

Weitere Programmhöhepunkte des Recklinghäuser Sommerfestes

Um 16.30 Uhr wird der Recklinghäuser Vorleser Michael van Ahlen in der Kunsthalle erwartet. Er liest eine längere Geschichte aus Recklinghausen und Gedichte des Wortspielers Günther Nehm, bevor es um 18 Uhr Gelegenheit zu einem letzten Rundgang durch die Ausstellung mit Museumsdirektor Dr. Hans-Jürgen Schwalm gibt.

Zum Abschluss von Ausstellung und Sommerfest um 18.30 Uhr präsentieren mit Frank Baier und P. W. Krise zwei Ruhrgebietsbarden aus unterschiedlichen musikalischen Generationen nationale und internationale Lieder der Arbeiterbewegung.

 

Das Programm wurde von dem Recklinghäuser „CREATIVE OUTLAW“ Tom Tornado mitgestaltet.

Der Eintritt ist frei, es sind Getränke und Imbiss zu kleinen Preisen im Angebot.

Weitere Informationen gibt es unter Tel. 02361/50-1935.

Quelle: Pressestelle der Stadt Recklinghausen

Foto: ©Sebastian Balint