Ausstellungen Essen Archives - Aktuelle Veranstaltungen im Ruhrgebiet

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on September 3rd, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on September 3rd, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

Weitere Ausstellungen in NRW

 

 


RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on September 2nd, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on September 2nd, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

Weitere Ausstellungen in NRW

 

 


RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on September 1st, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on September 1st, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 31st, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 31st, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 30th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 30th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 29th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 29th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 28th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 28th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 27th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 27th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 26th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 26th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 25th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 25th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 24th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 24th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 23rd, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 23rd, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 22nd, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 22nd, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 21st, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 21st, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 20th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 20th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 19th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 19th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 18th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 18th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 17th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 17th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 16th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 16th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

Weitere Ausstellungen in NRW

 

 


RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 15th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 15th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

Weitere Ausstellungen in NRW

 

 


RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 14th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 14th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 13th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

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Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

Weitere Ausstellungen in NRW

 

 


RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 12th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 12th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

Weitere Ausstellungen in NRW

 

 


RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 11th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 11th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

Quelle: Museum Folkwang

 

 

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RAF – No Evidence / Kein Beweis

Posted by on August 10th, 2017  •  0 Comments  • 

RAF – No Evidence / Kein Beweis

Museum Folkwang zeigt den Fotografen und Bildarchäologen Arwed Messmer mit seiner neuen Arbeit zu einem traumatischen Kapitel der deutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis

Essen, 8. Juni 2017 – Über die Rote Armee Fraktion und den Deutschen Herbst 1977 ist aus journalistischer, historischer, literarischer und filmischer Perspektive viel geschrieben und erzählt worden. Der Fotograf und Bildarchäologe Arwed Messmer widmet sich in seiner neuen Arbeit aus fotografischer Sicht diesem Kapitel der bundesdeutschen Geschichte: RAF – No Evidence / Kein Beweis ist vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 im Museum Folkwang zu sehen.

Die damalige gesellschaftliche Debatte über die Studentenproteste 1967 und die spätere terroristische Abspaltung wurde erbittert in den Medien geführt. Von der Roten Armee Fraktion existiert eine Vielzahl von Bildern, doch nur einige wenige sind in Erinnerung geblieben. Kannte die Generation der 1970er Jahre noch die Aufnahme des toten Holger Meins oder die 1978 im Stern veröffentlichten Fotografien der „Todesnacht“ in Stammheim, so denkt man heute eher an die Raster der Fahndungsplakate oder an das Videostill und die Polaroid-Aufnahmen des von der RAF entführten Hanns-Martin Schleyer im sogenannten Volksgefängnis. Diese Bilder gehören zum kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Doch mit der Konzentration auf einige wenige Bilder, geht auch eine Verarmung historischer Zeugenschaft einher.

Arwed Messmers Ausgangspunkt sind die bisher unbeachtet gebliebenen unterschiedlichen Aufnahmen von Polizeifotografen – Fotos von Demonstrationen, Tatortbilder und erkennungs- dienstliche Aufnahmen –, die er in verschiedenen staatlichen Archiven gesichtet hat. Messmer stellt die Frage, wie diese ehemalige kriminalistische Spurensuche heute als künstlerische Recherche produktiv werden kann – im Sinne einer anderen Erkenntnis dieser Zeit.

Seine Erzählung spannt den Bogen von den Jahren 1967 bis 1977, von den Anfängen der RAF hin zur multiplen Gewaltentladung des Jahres 1977, der Entführung und Ermordung von Hanns- Martin Schleyer und dem Tod von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der JVA Stammheim. Arwed Messmers Methode des zweiten Blicks fördert Bilder zutage, die zuvor größtenteils noch nicht veröffentlicht worden sind und die sich auf den Filmstreifen neben den bekannten Aufnahmen befinden – etwa jener Aufnahmen aus Stammheim, die später, veröffentlicht unter anderem im Stern, zu Ikonen geworden sind. Oder er entdeckt auf Aufnahmen der Berliner Schutzpolizei aus dem Jahr 1967 die Szene des sterbenden Benno Ohnesorg am 2. Juni, ein Tod vor laufenden Kameras. Der Polizeifotograf hielt die ganze Szene fest – hierin unterscheidet er sich vom Journalisten, der immer verdichten und weglassen muss. Ihre ursprüngliche Funktion haben diese Aufnahmen gegen eine andere dokumentarische Qualität eingetauscht. Somit hat Messmers Arbeit auch eine bildethische Dimension: Welche Aufnahmen darf man zeigen, wie kann man sie zeigen, warum sollen wir sie sehen? Dies rührt an einen zentralen Punkt in der Debatte über Bilder, die einerseits historische Dokumente sind, andererseits ihre eigene Ästhetik und ein großes, kaum steuerbares Potential für die empathische Auseinandersetzung mit Geschichte aufweisen.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Arwed Messmer mit fotografischem Archivmaterial, das seinen eigentlichen, funktionalen Wert eingebüßt hat, nicht selten visueller Ausschuss der Geschichte geworden ist – und dem der Künstler nun neue Leseweisen abgewinnt. In Zusammenarbeit mit Annett Gröschner erschien 2016 die Neuauflage des vielbeachteten Bandes Die Inventarisierung der Macht. Die Berliner Mauer aus anderer Sicht. Zuletzt legte er den Band Zelle/Cell vor, der die Entführung des Politikers Peter Lorenz 1975 mit vergleichbarem Bildmaterial der Polizei nachzeichnet.

Für sein Projekt zur Erforschung der staatlichen Bildarchive zur RAF wurde Arwed Messmer 2014 mit dem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stipendium für Zeitgenössische Deutsche Fotografie ausgezeichnet.

Arwed Messmer dankt dem Bundesarchiv, dem Staatsarchiv Ludwigsburg und der Polizeihistorischen Sammlung Berlin für die Kooperation und der Stiftung Kunstfonds und der VG Bild-Kunst für die freundliche Unterstützung.

Quelle: Museum Folkwang

 

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Vom Nutzen der Angst

Posted by on August 10th, 2017  •  0 Comments  • 

Vom Nutzen der Angst

Peggy Buths sozialkritische Fotografie im Museum Folkwang

Essen, 8. Juni 2017 – Vom 9. Juni bis zum 3. September 2017 präsentiert das
Museum Folkwang das jüngste Projekt der Künstlerin und Fotografin Peggy Buth. Die Ausstellung Vom Nutzen der Angst erzählt mit Fotografien und Videoarbeiten eine Geschichte der sozialen Ausgrenzung in Städten und Vorstädten. Gegenstand der künstlerischen Recherche waren die Banlieues in Paris sowie Straßenzüge im US-Bundesstaat Missouri. Für die Ausstellung im Museum Folkwang hat Buth das Terrain ihrer dokumentarischen Recherche um das Ruhrgebiet erweitert und in Essen und Duisburg gearbeitet.

Für Peggy Buth ist der urbane Raum ein Ort, an dem sich Soziales und Ökonomisches überla- gern, ihn formen und verformen. In drei Kapiteln berichtet Buth von sozialen Utopien und wirt- schaftlichen Interessen, von der Einbeziehung und Ausgrenzung von Menschen, von Hoffnung aber auch von Diskriminierung und Verleumdung. Ihren Ausgangspunkt nimmt Buths künstleri- sche Arbeit 2013/14 in der nördlichen Pariser Vorstadt. Stadtviertel wie La Courneuve stehen für den Aufbruch in den 1960er Jahren, als nach dem Ende von Kolonialisierung und Algerien- krieg Generationen von Migranten aus Afrika und dem Maghreb dort angesiedelt worden sind. Buths Videos und Projektionen im ersten Raum der Ausstellung zeigen die Zerstörung dieser als Ghettos in Verruf geratenen Viertel in den vergangenen Jahrzehnten und die Perspektiven die- ser Tage, die auf die Errichtung lukrativer Eigenheimsiedlungen setzen.

Peggy Buth führte ihre Arbeit 2015 fort und recherchierte zu Projekten des sozialen Woh- nungsbaus im US-Bundesstaat Missouri. Auch dort zeichnet die Künstlerin eine Geschichte der gescheiterten Utopien und der wachsenden Diskriminierung nach. In der fotografischen Arbeit MLK Blvd steht der Martin Luther King Boulevard für die Emanzipation der Afroamerikaner in den 1960er Jahren. Er ist auch Sinnbild der heutigen urbanen Realität und ihrer sozialen Unge- rechtigkeit, Diskriminierung und Paranoia. Von dem urbanistischen Modellprojekt Pruitt-Igoe, das bereits in den 1950er Jahren in St. Louis errichtet worden ist, bleibt nur die Erinnerung der einstigen Bewohner, wie dies in Buths Film PRUITT IGOE REUNION-GALA zum Ausdruck kommt.

Ausgangspunkt der Arbeit über die urbane Situation in Essen und das Ruhrgebiet ist die viel- fach geführte Diskussion über die sozial deklassierten Stadteile des Essener Nordens. So sucht das Video Leute wie wir nach den Ursachen für die unterschiedlichen Formen der sozialen Aus- grenzung vor Ort. Es stellt Fragen zur Relevanz von Solidarität und Empathie, zur Konstruktion und Funktion des Arbeiter-Mythos und reflektiert die Bedeutung der Arbeit während der (De-) Industrialisierung und Globalisierung. Andere installative Arbeiten hingegen verweisen auf die historischen Verflechtungen und Verwerfungen, die auf die über Jahrzehnte hinweg herrschen- de Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG zurückzuführen sind.

Peggy Buth steht mit ihren Arbeiten in der Tradition einer kritischen dokumentarischen Kunst, wie sie von Hans Haacke und Harun Farocki betrieben worden ist. Für ihr Konzept Vom Nutzen der Angst hat die Künstlerin 2014 das Stipendium für Zeitgenössische Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhalten.

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